Orgelsanierung

Aus hunderten von Pfeifen erklingen seit fast 50 Jahren die Töne unserer Orgel. Nun wird es Zeit für eine Generalsanierung. Ab 11. Januar 2021 wird die Orgel in einem Zeitraum von 8-10 Wochen auseinander gebaut, gereinigt und repariert. Einige Pfeifen werden ausgetauscht und durch neue Klangfarben ersetzt.

Wussten sie schon?

Es gibt Pfeifen, die sind oben offen und Pfeifen, die oben geschlossen sind. Eine geschlossene Pfeifen braucht nur halb so lang zu sein, wie die entsprechende offene Pfeife mit dem gleichen Ton. Dadurch wird natürlich Platz und Material gespart. Aber auch der Klang ist etwas dunkler, was durchaus auch gewünscht ist, z.B. bei tiefen Tönen.


oben offene Pfeifen.


Der rechte „Stapel“ sind geschlossene Holzpfeifen. Links der Verschluss,
rechts kann man noch gut die Luftspalten erkennen.

 

Hier erklärt übrigens die Maus wie eine Orgel funktioniert:

 

Freitag, 22.1.2021 – Was kostet die Renovierung?

So eine Aktion ist natürlich nicht  billig.
Um eine qualifizierte Aussage zum Zustand der Orgel zu bekommen, wurde der Orgelsachverständige der Landeskirche eingeschaltet. Insgesamt (Gutachten, Festpreis für Renovierung, etc.) müssen wir mit rund 23.500 € rechnen, wenn nichts Unplanmäßiges dazu kommt. Zuschüsse gibt es keine, außer eventuell (!) vom Landesamt für Schulen in Höhe von 1.200 €.

An Spenden aus der Gemeinde sind bisher rund 2.400 € eingegangen.
Es fehlen also noch mindestens 19.600 €

Da z.Zt. alle geplanten Sonderaktionen leider ausfallen müssen,

freuen wir uns über jede Spende für unsere Orgelrenovierung!!

 

In der Werkstatt von H. Töpfer wurden in dieser Woche die Manuale usw. weiter renoviert, in der Kirche war weitestgehend  Ruhe, …


… aber z.B. der defekte Gebläsemotor wurde ausgebaut und der neue geliefert.


Hier stecken normalerweise die großen Bass-Holzpfeifen. Gut zu erkennen sind die einzeln Gebläseeinspeisungen für jede Pfeife. (Blick von oben)


Und hier die dicken Füße der Bass-Holzpfeifen, die in die oben gezeigten Löcher kommen.


Hier sieht man die Pedale, mit denen festgelegt wird, welche Manuale (Manualklaviatur I und II, Pedalklaviatur) miteinander gekoppelt werden und die dazugehörige Mechanik.

 

In der Werkstatt wurden die Umlenkelemente der Tasten (damit wenn man vorne drückt, hinten oder oben bei den Pfeifen die Klappe aufgeht) umgebaut bzw. die Lager wieder instand gesetzt.


Die 90-Grad-Elemente (damit man um die Ecke kommt) waren vorher aus Metall, was zu viel Spiel hatte. Jetzt sind die Umlenkelemente aus Holz, was besser ist.


Dies sind die 180-Grad-Elemente. Bei ihnen wurden die Lager repariert.


Die einzelnen Tasten der Manualklaviatur wurden gereinigt und das Lager mit Kaschmir ausgelegt und verbessert   (der rote Streifen).


Nach der Reinigung wird jede Taste (von den Händen und den Füßen) einzeln von Hand wieder eingesetzt und jeweils mit 2 Drähten der Mechanik verbunden. (2 Drähte, damit ggf. 2 Manuale zusammen gespielt werden können.)

 

Freitag, 15.1.2021 – Was wird eigentlich gemacht?

Folgendes wird im Rahmen der Orgelrenovierung gemacht (vereinfacht und nicht komplett):

  • Ausbauen des Pfeifenwerks, gründliche Reinigung der Metallpfeifen im Wasserbad, gerissene Lötnähte werden nachgelötet.
  • Holzpfeifen werden ausgesaugt und gewischt. Der Kernspaltenbereich wird durch einen Hochdruckluftstrahl gereinigt.
  • Überprüfen und ggf. korrigieren der Stimmvorrichtung
  • Reinigung sämtlicher Orgelteile, z.B. Prospekt, Orgelinneres, Windlade, Spieltisch, Gehäuse
  • Bei Manualklaviatur I wird der stark ausgespielte Holzbelag nachgeschliffen und poliert
  • Bei der Pedalklaviatur werden die verschlissenen Druckfilze ausgetauscht und der Tastendruck eingestellt
  • Die Windanlage wird auf Dichtigkeit überprüft.
  • Wir bekommen einen neuen, stärkeren Gebläsemotor, damit die Pfeifen besser angeblasen werden können und dadurch besser klingen (Stichwort „Klangfarbe“).
    Übrigens, der jetzige hat zu Weihnachten endgültig seine Funktion aufgegeben!
  • Außerdem wird ein Register, das kaum benutzt wird, „umgebaut“ zu einem dunkleren Klang, das besser für einen meditativen Gottesdienst genutzt werden kann.
  • Die Pfeifen werden registerweise wieder eingesetzt, auf richtigen Sitz überprüft und eine gründliche Neuintonation in Absprache mit dem Orgelsachverständigen der evang. Kirche durchgeführt.


Durch eine Tür wird jede Pfeife einzeln rausgereicht und dann über die Leiter nach unten gebracht.


 Kaum zu glauben, aber so kleine dünne Pfeifen finden sich in einer Orgel.


Durch die grauen Schläuche rechts, wird die Luft zu den Windladen transportiert. Die Windlade wiederum ist der Holzlkasten mit den Löchern. In die Löcher kommen die Pfeifen. Aus den Schläuchen wir die Luft in den Holzkasten geblasen und entweicht durch die Löcher in die Pfeifen.


Die Stangen rechts verstellen die Windladen für die verschiedenen Register. So wird gesteuert in welche Lade die Luft geht und welche Pfeifen Töne erzeugen können.

 

 

Montag, 11.1.2021 – Es geht los

Die Firma Töpfer hat mit der Renovierung angefangen. Die beiden Manualklaviaturen sowie das Pedalklaviatur wurden ausgebaut. Ebenso alle Pfeifen, bis auf die großen Prospektpfeifen, die außen zu sehen sind. Die Pfeifen werden auf der Empore erst mal gelagert.

Die 3 Klaviaturen und andere mechanische Teile wurden mitgenommen und werden diese Woche in der Firma  wieder hergerichtet.
Deswegen wird es auch die restliche Woche in unserer Kirche erst mal nicht weitergehen.


So sieht eine Orgel von innen aus.


Und so nach dem Ausbau der Pfeifen. Durch die Löcher wird sonst die Luft in die Pfeifen geblasen.


Wo sonst unsere Posaunen spielen, lagern nun unsere Orgelpfeifen. (links im Hintergrund die aus Metall, links im Vordergrund und rechts die aus Holz)


Pfeifen kann man wie ein Klavier stimmen. Dies geschieht über die hier zusehenden „aufgerollten Nasen“.

 

Etwas Historie

In den Kirchenmäusen wurde über die Anschaffung der Orgel folgendes berichtet:

Kirchenmaus Nr. 18, Juni/Juli 1970
„Nach 1 Jahr Vorbereitung beschließt der Kirchenvorstand (KV) mehrheitlich die Anschaffung einer Orgel für ca. 38.000,-DM (ca. 19.430 EUR).“

Kirchenmaus Nr. 23,  September 1971
„Die Orgel sollte Juli 71 erklingen, aber erst jetzt ist sie im Winter im Bau und im Frühjahr 1972 erfolgt die Aufstellung
Kosten belaufen sich jetzt auf ca. 48.000 DM  (ca. 24.540 EUR), eingegangene Spenden 23.200 DM (ca. 11.680 EUR).“

Kirchenmaus Nr. 27, März 1972
„Die Orgel mit 12 Register und ca. 750 Holz- und Metallpfeifen, bis zu 3m lang ist am 16.3.1972 eingetroffen, soll am 7. Mai geweiht werden.“

Kirchenmaus Nr. 30, Dezember 1972
„Die Orgel ist bezahlt!“

 

Ein bisschen Daten

Unsere Orgel, von Kirchenmusikdirektor Haffner disponiert, war die letzte von der Firma Hirnschrodt gebaute Orgel.

Sie hat
– zwei Manuale
– zwölf Register
– ca. 750 Holz- und Metallpfeifen. Die Holzpfeifen sind aus Mahagoni bzw. z.T. aus Limba-Holz.

Die Orgel ist ein klanglich stark neobarockes Instrument. D.h. die tiefen Register sind eher zu schwach und die höheren eher zu stark ausgeprägt.

Gekoppelt werden können
– Manualklaviatur I mit II
– Manualklaviatur I mit Pedalklaviatur
– Manualklaviatur II mit Pedalklaviatur